home

Textauszug CARAMBA!

„Ja“, sagte der Mann, rührte nebenbei in seinem Kaffee, legte die brennende Zigarette im Aschenbecher ab und nahm eine Akte zur Hand. „Bei dem Toten im Park handelt es sich eindeutig um den vermissten Thomas Dorting, Überdosis Kokain, intravenös gespritzt. Schon der Zweite, diesen Monat.“ Er machte eine Pause und zog an seiner Zigarette. „Jau, Martin“, sagte Kriminal-Hauptkommissar Anton Wiesel, seines Zeichens Einsatzleiter für Drogendelikte und somit Vorgesetzter von Hauptkommissar Martin Dieken. „Offenbar gutes Zeug auf dem Markt, zurzeit“, ergänzte Wiesel, drehte sich zu seinem Praktikanten um und machte ein altväterliches Gesicht. „He, Mike, komm mal her, hier kannste was lernen.“ Gehorsam setzte sich Mike in Bewegung, setzte sich zu den beiden Kommissaren an den Schreibtisch und guckte.
„Also“, sagte Wiesel mit einem absichtsvollen Gesichtsausdruck, „wir haben hier den Toten, Thomas Dorting, Überdosis Kokain, was jetzt, streng dich mal an.“ Er grinste. „Na ja“, stotterte Mike, „ich würde erst einmal prüfen, ob es noch weitere Vorgänge zu diesem Thomas Dorting gibt, oder?“ „Seeehr schön“, lobte Wiesel, lehnte sich selbstgefällig zurück, Kommissar Dieken nickte und sah Mike danach scharf in die Augen. „Und?“, fragte er, „gibt es solche Vorgänge.“ Unverzüglich platzierte sich Mike hinter dem Dienstrechner, hämmerte auf der Tastatur herum und strahlte. „Ja“, sagte er stolz, „da war vor zwei Tagen diese Sache mit dem Italiener Giuseppe Baldino, der hat mit ’ner EC-Karte an Dortings Wohnungstür herumgemacht und behauptet, er wollte nur bei ihm übernachten.“ „Bingo“, sagte Wiesel, „sonst noch was?“ Mike machte ein paar ergänzende Eingaben und grinste plötzlich breit über das ganze Gesicht. „Jau“, sagte er triumphierend, „gestern Nacht haben wir diesen Baldino noch mal aufgegriffen, diesmal hatte er eine Pistole dabei, zwei Gramm Kokain und vier Komma fünf Gramm Marihuana, ob der wohl der Dealer von diesem Dorting gewesen ist?“ „Wunderbar!!“, frohlockte Wiesel. „Genau das ist die Frage. Also, du checkst jetzt mal, ob dieser Baldino ein Handy hat, hängst dich dran, schneidest alle Gespräche mit und versuchst, ein Verbindungs- und Bewegungsprofil von dem Kerl zu erstellen. Betrachte das als dein Projekt, vorerst, sollst schließlich etwas lernen.“ Mike lächelte zufrieden, voller Stolz und wuselte sich kurz durch die Haare. „O.K.“, sagte er dienstbeflissen, „ich kümmere mich dann jetzt erstmal um eine richterliche Verfügung, und wenn die da ist, häng ich mich ran, ja?“ Schallendes Gelächter erfüllte plötzlich das Büro, die beiden Kommissare grölten förmlich, beruhigten sich dann aber allmählich wieder und blickten den Praktikanten amüsiert in sein leicht irritiertes Gesicht. „O.K.“ sagte Wiesel, „aber die richterliche Verfügung bitte nur mit Sahne, ja?“ „Und ohne scharfe Sauce, bitte“, ergänzte Dieken, „da krieg ich nämlich immer Blähungen von.“ Beide grinsten wieder und Mike war nun vollends verschüchtert, guckte blöde in die Gegend und schämte sich etwas.
„Also pass auf“, sagte Wiesel versöhnlich, „wenn wir für jeden, den wir hier abhören erst einen Beschluss abwarten müssten, würde hier schon längst die Mafia regieren.“ Dieken nickte, in Mikes Kopf schien es deutlich zu arbeiten und Wiesel fuhr fort. „Jaaaa“, sagte er schließlich ergänzend, „natürlich sind da immer ein paar Unschuldige dabei, etwa 80 Prozent, um genau zu sein, aber auch die sind mitunter sehr unterhaltsam.“ Er zwinkerte seinem Kollegen Dieken zu. „Jau“, kicherte Dieken, „weißte noch diese Meier, mit der Domestosflasche im Arsch, die nicht mehr raus ging?“ „Na klar“, wieherte Wiesel, „und dann der Spruch ihres Gynäkologen: ... doch, doch, wir müssen da schon einen Krankenwagen bestellen für Sie, mit ’ner Domestosflasche im Gesäß ist man nicht so gut zu Fuß, Frau Meier, wissen Sie?!“ Beide grölten wieder, offenbar unwillig, sich langsam wieder einzukriegen. „Oder deine Ex-Frau, Martin, weißte noch?“ Dieken nickte. „Aber bitte“, flötete Wiesel, „bitte sag Martin nichts von unserem Verhältnis, Tommi, ja?“ „Hat er ja auch nicht, das Arschloch“, sagte Martin, „und so was schimpft sich bester Freund, naja ...“ Er machte eine Zigarette an und beide Kommissare guckten plötzlich wieder ernst. „Also, Mike, verstanden?“, fragte Wiesel. „Dienst nach Vorschrift kannste vergessen, das bringt’s nicht, außerdem hast du dann nicht so viel Spaß wie wir! Kannst dich ja mal ruhig an deine Süße dranhängen, würdest staunen, was ein Mensch, wenn er sich unbeobachtet wähnt, so alles treibt.“ Mike guckte verwirrt. „Na dann also ohne richterlichen Beschluss, richtig?“ Die Kommissare klatschten. „Bravo“, sagte Wiesel, „und jetzt gib Gummi!“

 

zur vorherigen Seite  
zur nächsten Seite