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Textauszug: „CARAMBA!“

Das Taxi stoppte vor einer Ansammlung von Tannenbäumen, hinter der ein kleines, rotes Zwei-Familienhaus versteckt worden war, mit einem großen, weißen Schild und der Aufschrift „Club 66“. Neben der Schrift, grinste einem ein fettes rotes Herz entgegen, das an einer Seite glänzte wie ein Luftballon, den man mit einer Speckschwarte abgerieben hatte, und Timo dachte an verbotene Teenager-Partys, ausgerichtet, von fetten, frühreifen, kleinen Schmuddelmädchen, die schon von weitem unterstreichen wollten, dass es irgendwann auf Flaschendrehen hinauslaufen würde, oder auf Strip-Poker.
„He Timo“, sagte Giuseppe, während die anderen beiden Männer gerade versuchten, mit wackeliger Erhabenheit auszusteigen, „sag mal, warum sind wir überhaupt erst zum Markt gelatscht, wenn der ‚sein Büro’ zwei Häuser neben deiner Wohnung hat.“ Timo stutzte. Natürlich, dachte er, ein Puff! Er hatte sich immer schon gefragt, was diese Reihe Tannenbäume an der Straße zu bedeuten hätte, und dass sie mit dem Taxi in seine Richtung gefahren waren, bemerkte er erst jetzt. „Ist ja n Ding“, sagte er, „als er auch aus dem Taxi stieg, „hier wohn ich ja!“ Heinz Gelb lachte los. „Hör dir den an Morti“, feixte er, „er wohnt hier!“ „Gute Adresse, was willst du?“, antwortete Morti, gab dem Taxifahrer mit großer Geste noch 20 Cents Trinkgeld, und die Gesellschaft schlängelte sich den kleinen Sandweg entlang, hinter die Baumreihe, bis sie vor einer Stahltür, in die ein Guckloch eingelassen worden war, zum Stehen kam. Morti drückte die Klingel, etwas knackte in der oben angebrachten Kamera, und einige Minuten später stand eine stämmige, etwa 40jährige Frau in der Tür, grinste über ihr ganzes, breites Pfannkuchengesicht und fiel Morti stürmisch um den Hals. „Morti, mein Schatz, na, wir haben uns ja eine ganze Woche nicht gesehen!“ „Ach Lotti“, lachte Morti, „das war eine verdammt lange Zeit.“ Er grinste. Lotti bat alle herein, schloss die Stahltür von außen und schien sich zu freuen. „Und?“, fragte sie, „Was gibt’s denn diesmal zu feiern?“ „Verlobung!“, erklärte Morti stolz. „Ist nicht wahr“, sagte Lotti, „du hast dich verlobt?“ „Nö“, sagte Morti, „bin ja wohl nicht verkalkt, aber Verlobung feiern, das kann ja wohl mal, hab nämlich eine neue Schnalle, weißt du?“ „Na“, sagte Lotti, „dann bist du hier ja goldrichtig, um diese Angelegenheit zünftig zu würdigen.“ „Was wäre ich nur ohne dich?“, schmeichelte Morti, während Giuseppe schon gierig nach der Toilette Ausschau hielt, Timo hinter sich herzog und Rechtsanwalt Morti mit Lotti und Hauptkommissar Gelb den Thekenraum ansteuerten.

 

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