Grabenkrieg

 - von Charles Bukowski - 

 
Die Grippe hat mich
erwischt, ich trinke
Bier und habe das
Radio an, laut genug,
um die Stereo-Anlage
der beiden da drüben
zu übertönen. Sie
sind gerade eingezogen.
Ob sie schlafen oder
wachen - ständig läuft
ihre Stereo-Anlage auf
Hochtouren, und sie 
lassen Türen und Fenster
offen.

Sie sind beide 18, frisch
verheiratet, blond,
schlank, tragen rote
Schuhe. Sie spielen
alles: Jazz, klassische
Musik, Rock, Country,
Modern. Hauptsache,
es ist laut.

Das ist das Problem hier
in der Unterschicht: Jeder
muß den Krach des anderen
ertragen. Letzte Woche 
war ich derjenige:
Ich hatte zwei Frauen

hier drin, die sich in

die Haare kriegten, und

dann rannten sie kreischend

aus der Bude und machten

draußen weiter.

Die Polizei kam.

Jetzt sind es die beiden

von gegenüber.

Ich gehe auf und ab

in meinen angeschmutzten

Shorts, zwei Gummi-

stöpsel tief in die

Ohren gebohrt.

Ich denke sogar schon

an Mord. Was für

rücksichtslose kleine

Karnickel! Wandelnde

Rotzbällchen!

                                                             
Aber in unserem Land

und in unserem Milieu

hat es noch nie eine

Chance gegeben. Nur

wenn es mal nicht

ganz so schlecht geht,

vergessen wir es kurz.

                                         
Eines Tages werden sie

beide tot sein. Eines

Tages wird jeder in

seinem eigenen Sarg

liegen, und es wird

still sein. Aber

im Augenblick ist es

Bob Dylan, Bob Dylan

Bob Dylan auf Deibel

komm raus


Gedichte von Ben Herbst /  poems by Ben Herbst

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