Schwarz-Rot-Gelb? BLAU!

Die aktuelle Kolumne von Ben Herbst

25 September 2008

 

Ein Kreuzfahrtschiff kentert. Im Ozean treiben, neben vielleicht zwanzig Überlebenden auch fünf Mitglieder aus SPD, LINKE, CDU, FDP und GRÜNEN: Der CDU-Politiker wendet sich japsend als erster an die schwimmenden Überlebenden: „Unsere Schiffahrtsindustrie“, sagt er, „und die qualifizierte Ausbildung des Fachpersonals ist vorbildlich in Deutschland, daher ist ein Zwischenfall wie dieser eher ungewöhnlich, und sollte daher keinesfalls überbewertet werden.“ Der SPD-Politiker erklärt dagegen, gleichfalls um Atem ringend: „Wir haben unter Rot-Grün vorbildliche Vorsorgemaßnahmen getroffen, dass ein Unglück wie dieses nicht passieren kann, nun, - und da muss ich meinem Kollegen von der CDU recht geben – in aller Regel passieren solche Katastrophen auch viel seltener als vorher, zur Ära Kohl, und das jetzige Unglück ist eben die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Von daher läuft doch alles prima!
Während dieser Reden sind bereits fünf, etwas kränklichere Passagiere, ertrunken, also sieht sich auch der FDP-Politiker genötigt, mit letzter Kraft etwas zu sagen: „Wir brauchen die Schiffahrtsindustrie für den Wirtschaftsstandort Deutschland!“, sagt er. „Würde man da jetzt weitergehende Sicherheitsmaßnahmen einführen, würde das zu großen Kosten und zum Verlust von Arbeitsplätzen führen!“ Wieder ertrinken fünf Verunglückte, nicken aber zustimmend, während sie untergehen. Der GRÜNEN-Politiker sagt darauf: „Politik ist kompliziert, da muss man außerpolitische Machtkonstellationen berücksichtigen und darf nicht so naiv sein, zu glauben, die Politik könnte das alles alleine schaffen, solche Unfälle sind aber – zugegebener Weise - recht tragisch!“ Und was sagt der Politiker der LINKEN? „Freunde“, sagt er, „wir müssen irgendwie raus aus dem Wasser, sonst ertrinken wir alle! Ich habe dazu ein paar Vorschläge, die sollten wir mal diskutieren.“ Die letzten Überlebenden hören aufmerksam zu, nur die anderen Politiker stöhnen: „Um Gottes Willen, 'raus aus dem Wasser?' - das ist ja populistisch, nein, da braucht man gar nicht erst drüber zu reden.“ Am Ende ertrinken tatsächlich alle, der Ozean glättet sich, und eine Taube fliegt über das Wasser.

 

Ceterum censeo Agendam 2010 esse delendam!

In diesem Sinne

Trockene Grüße von

 
 
01. August 2008
 

Kaum zu glauben, aber neulich war es wieder mal soweit! Ich kam gerade aus der Volxküche des autonomen Wohn- und Kulturprojektes KÖPI, hatte mit einer schwedischen Straßenschauspielerin über das Wesen von Kunst gesprochen, ein Bisschen auf der Gitarre gejamt, mit ein paar Langhaarigen und einer Frau mit gefärbten Rasta-Zöpfen, nett, gesund und vor allem solidarisch günstig gegessen – wie gesagt – und war nun auf dem Weg nach Hause. In direkter Höhe mit dem ehemaligen Stasi-Ministerium, wo nun neben anderen Behörden meine derzeitige Geliebte untergebracht ist, die Agentur für Arbeit, da sah ich ihn – oder besser gesagt: Er sah mich!
Er stand mit einem zugekniffenen Auge noch zwei Meter von mir entfernt an das frühere Ministerium gelehnt, hatte beige kurze Hosen an, weiße, bunt geringelte Tennissocken, die in seinen deutschen Sandalen steckten, dazu trug er ein rot-weiß kariertes Holzfällerhemd, war bis auf zwei dreieckige, weiße Puschel über den Ohren völlig kahl, abgesehen von den Haaren, die ihm aus Ohren und Nase herausgrinsten und je näher ich kam, desto deutlicher visierte er mich von oben bis unten. Dabei schien er verwirrt, irgendwie orientierungslos, vielleicht braucht er Hilfe, dachte ich, also sprach ich ihn an: „Entschuldigung“, sagte ich, „aber darf ich Ihnen eventuell behilflich sein?“ Verdeutzt, ob meiner Frage, und dass er nun genötigt war, sich plötzlich sammeln zu müssen, atmete er nochmal kurz durch, strich über seinen übermäßig großen, runden Altmännerbauch und sagte dann: „Junge, geh doch mal wieder zum Friseur, dann siehst du wieder wie ein Mensch aus.“
Nun war es an mir, den alten Herren etwas genauer zu beobachten. Wollte er meine Haare für sich? Hatte er seine Brille vergessen? Verwechselte er mich mit einem Außerirdischen? Fragen über Fragen, dachte ich, bedankte mich dann höflich, für seine nette Anregung und empfahl ihm meinerseits, wegen seines Bauchproblemes und dem damit einhergehenden Herzinfarktrisiko, doch etwas besser auf seine Ernährung aufzupassen. Mir war natürlich klar, dass manche Männer dazu neigen, sich in der Ehe fürchterlich gehen zu lassen, aber ich wollte nicht unhöflich sein und er sagte auch nichts, guckte verkniffen, und würde wohl auch nicht, wie ich es ihm riet, über eine Perücke nachdenken, oder darüber, sich diese albernen Puschel über den Ohren auch noch abzurasieren, denn: Wie sieht denn das aus, so? Wie gewollt und nicht gekonnt. Aber nun, die Geschmäcker sind eben verschieden, und vielleicht laufen wir in ein paar Jahren ja alle so herum wie er. Doch die Sache mit dem Menschen, ließ mich nicht los.
Kaum zu Hause, schlug ich also bei Wikipedia nach. Mensch gab ich ein. Dann las ich.
Der Mensch (Homo sapiens) ist innerhalb der biologischen Systematik ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). Unter den Lebewesen zeichnen den Menschen vor allem zahlreiche kognitive Fähigkeiten aus. Diese konstituieren letztlich die menschliche Kultur und Gesellschaft sowie die Fähigkeiten zur Reflexion und Transzendenz.
Die moderne Bezeichnung lautet Homo sapiens. Sie leitet sich aus dem Lateinischen von homo „Mensch“ und sapiens „weise“ ab.
Wie kommt dieser Mann, fragte ich mich, darauf anzunehmen, ich würde kein Mensch sein? Am Aussehen könnte es nicht liegen, dachte ich, denn Trockennasenaffen sind ja wohl auch recht haarig. Ahh, kam es mir dann, er meinte das sicher im Übertragenen Sinne. Möglicherweise sprach er Langhaarigen die Fähigkeit zur Weisheit ab. Warum tat er das, fragte ich mich? Und ging mal eben mein Leben durch ... Also mal sehen: Abi gemacht? Ja! Neben der Bundeswehr, jeden Tag 16 Stunden, dreieinhalb Jahre lang. Morgens um 5:00 Uhr hoch, waschen, dann eine Stunde mit dem Auto zum Dienst, Antritt 7:00 Uhr, Dienst bis 16:15, eine Stunde mit dem Auto zurück und um 17:30 bis 21:30 in die Abendschule. Abiturschnitt 1,9, immerhin, eine gewisse Weisheit wurde mir offenbar zugebilligt, gut so. Ich habe eine Ausbildung gemacht, zuvor mit Punkern und alternativen Studenten und Feministinnen in verschiedenen besetzten Häusern gewohnt, war und bin Straßenmusiker, habe auch neben dem Studium in Nobel-Hotels gejobbt, Helmut Kohl und Konsorten den Champus hinterhergetragen und hautnah mitbekommen, wie Lobbyisten in solchen Läden Politik machen: Einmal im Monat wird groß eingeladen, für einen kleinen Kreis. Da sitzen dann Großindustrielle an einem 10er Tisch. Chefredakteure sind dabei, ein zwei verhuschte Personen aus der Politik werden auch geduldet, vorausgesetzt, sie sind hochkarätig genug und dann wird gesprochen: „Wen unterstützen wir mit unseren Milliarden? Schröder, Merkel?“ Das letzte Mal sollte Merkel unterstützt werden, ich habe es selbst gehört. So wird in Deutschland Politik gemacht und Demokratie genannt. Ich habe morgens den Pennern auf der Straße ein Bier spendiert und abends dem chinesischen Staatspräsidenten Schweiß von seiner Stirn getupft. Was also, fragte ich mich, hat mir dieser alte Mann voraus, dass er mich einen Nicht-Menschen schimpft? Womöglich war er bei der Stasi, schließlich lungerte er ja vor dem Gebäude herum. Aber ich glaube, das ist es wohl auch nicht, was wahre Menschen ausmachen könnte, oder?
Hmm, dachte ich. Möglicherweise könnte ich ihm mal so einige Dinge erklären. Offenbar gibt es da ein Missverständnis, und da ich Missverständnisse nicht ausstehen kann, fordere ich hiermit, um diesem Unverhältnis an Weisheit in der Gesellschaft entgegenzuwirken, die Einführung eines FREIWILLIGEN ASOZIALEN JAHRES FÜR JEDERMANN!!
Ja! Endlich wird es jedem einmal möglich sein, sich wie ein Nicht-Mensch, wie ein Asozialer zu fühlen.
Bevor ich Hartz IV bekam, habe ich studiert und nebenher in der Gastronomie gejobbt. Wer 12 Stunden mit einem Dauerlächeln in wechselnden Schichten arbeitete, ohne sich die Überstunden vergüten zu lassen war normal. Wer 14 Stunden schaffte, ein Guter, ab 16 war man ein Held und unter 12 Stunden ein Versager. Ich war einer der „Normalen“. So lange, bis ich nach einem epileptischen Anfall in der Notaufnahme aufwachte, ins Krankenhaus musste und daraufhin von meinem Arbeitgeber gekündigt wurde. Es war die Zeitarbeitsfirma PLUSS. Sie hat mir noch ein gutes Zeugnis ausgestellt, weil ich immer so nett war.
Mit einem Nervenzusammenbruch und ohne Job studiert es sich nicht gut. Daher blieb mir nichts anderes, als mein Studium dranzugeben, und mich arbeitslos zu melden. Hartz IV. Was ich mir vorher an Ansprüchen jahrelang erarbeitet hatte, war nach dem Studium längst verfallen, daher wäre das „normale“ Arbeitslosengeld geringer ausgefallen als Hartz IV, schade eigentlich, denn ich hatte einmal 2900 Mark im Monat, für Volk und Vaterland, aber nun, was soll man sagen? Lustig war auch, dass man beim Arbeitsamt unbedingt angeben muss, wenn man im Krankenhaus liegt. Nach einem halben Jahr Arbeitslosigkeit kam der zweite epileptische Anfall, immer noch Zeichen, totaler Überarbeitung, und ich habe mich dann vier Tage danach in die Agentur geschleppt, um meinen Status zu melden. Gut, sagte die Agentur für Arbeit. Da Sie ja nun im Krankenhaus versorgt werden, brauchen Sie weniger Essensgeld, daraufhin wurden mir die 260 Euro, die mir im Monat übrig bleiben entsprechend gekürzt. Zwei Wochen später meldete sich dann die AOK bei mir. Ich wäre ja nicht von der Zuzahlung befreit, im Falle eines Krankenhausaufenthaltes müsste ich also 10 Euro pro Tag nachentrichten. Bei 12 Tagen waren das dann 120 Euro, ohne den Krankentransport, jau, dachte ich, da hat ja wohl irgendsoein Gesundheitsexperte mal eine zündende Idee gehabt. Braucht man sich eigentlich nicht wundern, wenn sich da manche Autonome, ob dieser Zustände, vorbehalten, die „militärische Variante“ des Widerstands als Option auf dem Tisch behalten zu wollen. Ich sage wohlgemerkt manche. Bin eher ne friedliche Type. Aber das waren schon feine Zeiten, damals.
Damals hatte ich kurze Haare, wog 20 kg mehr, war ständig in Sorge, wie ich die Miete bezahlen sollte, hatte fürchterliche Blutwerte und, wie viele in der Bundeswehr und der Gastronomie, ein Schlaf-, Depressions- und Alkoholproblem: Sieht so ein Mensch aus?
Heute sind die Haare etwas länger, ich trinke nicht, meine Blutwerte sind top, als Ex-Wessi kriege ich jetzt im Osten von der gemeinnützigen Berliner Tafel, GOTT BESCHÜTZE SIE, Bananen und Spargel hinterhergeworfen, dadurch kommen auf der Bauchdecke Muskeln zum Vorschein, die ich noch nie gesehen habe. Ab und zu gehe ich in die Volxküchen der  autonomen Kultur- und Wohnprojekte, esse da gegen Spende oder für höchstens 1,50 Eu mit netten Menschen, denen ähnliches widerfahren ist, mache mit ihnen zusammen Kultur, Musik, Literatur, Kunst. Tausche mich mit ihnen aus, gebe ihnen Zigarettenpapier, bekomme Tabak, oder umgekehrt, oder ich gehe mit ihnen für drei Euro in die Oper oder gratis ins Museum oder die Bibliothek, hat ja auch Vorteile, so ein Hartz IV Status – kurzum: Ich käme NIE auf die Idee, jemanden wegen seines Aussehens den Status des Mensch-Seins abzuerkennen. Möglicherweise aber, und da bin ich mir ganz sicher, ist es eine überaus hilfreiche Erfahrung, sich für eine Zeit mal wie ein Asozialer zu fühlen! Dann wird man auf der Straße dumm angepflaumt, wird zurechtgestutzt auf das, was ganz sicher jeder Mensch in seinem tiefsten Inneren ist: Ein verängstigtes Würstchen! Und nach und nach bekommt man ganz interessante Erkenntnisse über das Wesen dieses Leistungssystems, über das Wesentliche im Leben, über Menschsein!
Ich fordere hiermit HARTZ IV für alle und ein FREIWIILIGES ASOZIALES JAHR!! Erstmal ist das politisch wirksamer, als auf Demos zu gehen, und in der „freien Presse“ danach als „Chaot“ gebrandmarkt zu werden, zweitens ist es eine erholsame Erfahrung, was man mit 1, 50 Eu auf der Tasche, für eine Woche, mit den richtigen Freunden, noch so alles reißen kann! Je mehr Leute Hartz IV beantragen desto größer wird die Solidarität! Sollen sich die Reichen doch selber den Champus hinterhertragen und in ihren Hinterzimmern Politik machen! Aber auch denen würde ein Jahr auf der Straße sicher mal nicht schaden! Ist wirklich was ganz besonderes, diese Erfahrung, und – wenn man’s richtig macht – auch sehr gesund für Körper und Seele. Vielleicht würde dann auch Angie Merkel wissen, was man ihr neulich erst erklären musste: Dass Hartz IV-Bezieher ihren Strom selber zahlen müssen – ja, ja: solche ahnungslosen Leute werden in Deutschland, in Mensch-Land, Kanzler.
Juuti, macht was draus! Ich werde jetzt mal rausgehen und den alten Mann suchen. Glaub, ich muss ihm da mal etwas vorschlagen, werde auf seine Fähigkeiten zur Reflexion und Transzendenz hoffen, und wenn er mir doof kommt, nun gut, dann schnorre ich ihn einfach nur um einen Euro an.

Ceterum censeo Agendam 2010 esse delendam!

In diesem Sinne

Menschliche Grüße von

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16. Juli 2008

 

Wir haben es ja schon längst geahnt! DIE LINKE ist mindestens genau so gemein wie die NPD: Deshalb vermeldete der SPIEGEL auch heute (16.07.08) aus Osnabrück, Niedersachsens Innenminister Michael Schünemann (CDU) will diese Partei nun verstärkt vom Verfassungsschutz beobachten lassen. Grund: DIE LINKE mache „gemeinsame Sache mit gewaltbereiten Autonomen und Kommunisten.“ Besonders gut konnte man das unlängst auf der Gewaltorgie beobachten, die neulich in der Berliner Kultubrauerei unter dem konspirativen Namen „Fest der Linken“ stattfand: Überall nur anarchistische Negermusik, gemeingefährliches Propagandamaterial (Neues Deutschland, taz, Flyer, die dazu auffordern, die deutschen Soldaten endlich aus Afghanistan abzuziehen) und natürlich jede Menge potentielles Bombenbaumaterial: Überall standen leere Flaschen herum. Und das wussten ja schon die Jungs von „Ton Steine Scherben“: „Und die deutlichen Beweise sind zehn leere Flaschen Wein, und zehn leere Flaschen können schnell – zehn Mollies sein!“

Die CDU in Osnabrück hat sich stets dagegen verwehrt, mit Autonomen gemeinsame Sache zu machen! Zwar hat Ministerpräsident Christian Wulff, der Vorzeigeschwiegersohn Deutschlands, wie auch sein neuer Schwiegervater bestätigt, nachdem Saubermann Wulff seine alte Frau, die ihm Jahre lang dabei half, dieses biedere Image aufzubauen, kurz nachdem er an die Macht kam gegen eine Jüngere ausgetauscht hatte, den Autonomen immer wieder windelweiche Versprechungen gemacht. Es ging um ein selbstverwaltetes Autonomes Zentrum, das kurzfristig am Rande der Stadt, im Industriegebiet auf einer Kuhwiese existierte. Da fanden regelmäßig Konzerte und Kulturveranstaltungen statt, die nix kosteten und eine echte kulturelle Alternative zu dem restlichen, kommerzialisierten Kulturprogramm Osnabrücks boten. Wulff gab zunächst an, wohlwollend prüfen zu wollen, ob dieser Veranstaltungsort, auf der Schweinewiese weiter bestehen könnte. Dann kam eine Weile gar nichts, und auf spätere Anfrage hin war ihm diese Thematik dann plötzlich (O-Ton) zu „schwierig“. Deshalb wurde das Zentrum schließlich kurzerhand geräumt, ein paar Anzeigen verhängt, und jetzt ist dort wieder eine ungenutzte Wiese, so wie sich’s offenbar gehört. Denn so eine Wiese, sprich blühende Landschaft,  ist ja schließlich auch was schönes! http://squat.net/de/news/osna_presse170903.html

Schünemann erklärte, der Verfassungsschutz werde an die Schulen gehen und - wie bereits jetzt im Bereich Rechtsextremismus - Multiplikatorenschulungen durchführen. Lehrer bekämen dann Informationen über Themen wie den Marxismus/Leninismus und den SED-Unrechtsstaat für den Staatsbürgerkundeunterricht. (vgl. SPIEGEL-ONLINE Niedersachsens Innenminister lässt Linkspartei stärker beobachen, 16.07.08) Gute Idee, schließlich ist DIE LINKE ja Nachfolge- Partei der WASG und PDS, die PDS ist Nachfolgepartei der SED, die wiederum ging aus SPD und KPD hervor. Die KPD wiederum aus dem Spartakusbund, naja und Spartakus selber war ja nun auch wirklich ein gemeingefährlicher Revoluzzer. Das muss man wissen!

Was dann hingegen endlich auch einmal im Staatsbürgerkundeunterricht geklärt werden sollte, ist die bewegte Vergangenheit der CDU. Die ging nämlich aus der Zentrumspartei hervor, die nachweislich daran beteiligt war, dass man seinerzeit die Weimarer Republik vergeigt hat. Das ZENTRUM, die Partei des politischen Katholizismus war an allen Reichsregierungen bis 1932 beteiligt und stellte mit Konstantin Fehrenbach, Josef Wirth, Wilhelm Marx, Heinrich Brüning sowie - dem später parteilosen - Franz von Papen fünf Politiker als Reichskanzler, deren politische Bandbreite vom linksliberalen Wirth bis zum betont nationalkonservativen Papen reichte.

30. Januar 1933: Nach vergeblichen Versuchen, die NSDAP als "Juniorpartner" für eine Regierungsbeteiligung zu gewinnen, stimmt Papen [auf einer konspirativen Sitzung mit Adolf Hitler] der Bildung eines Kabinetts unter Hitler zu. Er selbst wird nach der nationalsozialistischen Machtübernahme Vizekanzler und will die NSDAP in das mehrheitlich von Deutschnationalen getragene Kabinett einbinden.
Am 30. Januar 1933 wurde Papen Vizekanzler unter Adolf Hitler; nur wenig später löste sich das Zentrum am 5. Juli 1933 als letzte der bürgerlichen Parteien selbst auf. (vgl.: www.dhm.de) Na, da können wir ja nur froh sein, dass der Papen damals nicht mit der KPD zusammengearbeitet hat, wer weiß, was das für katastrophale Auswirkungen für Deutschland gehabt hätte!!

Laut Schünemann macht die Linkspartei "gemeinsame Sache mit gewaltbereiten Autonomen und mit Kommunisten, die früher für das Unrechtsregime der SED, für Mauer und Schießbefehl, verantwortlich gewesen sind". Darüber hinaus gebe es Spitzenfunktionäre mit einer Vergangenheit als informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit in der DDR (vgl. oben genannten SPIEGEL-Artikel).

Laut Herbst machte das ZENTRUM (Vorgängerpartei der CDU) gemeinsame Sache mit gewaltbereiten Nazis, die den Zweiten Weltkrieg lostraten, den Holocaust initiierten, GESTAPO, SS, SA und andere Terrororganisationen gründeten. Darüber hinaus gab es in der CDU Spitzenfunktionäre wie z.B. Hans Filbinger (vgl: Rolf Hochhuth: 1979 - Juristen - zum gesellschaftlichen und politischen Einfluss von Altnazis in Deutschland) mit einer Vergangenheit als Mörder, Feiglinge und Kollaborateure der Nazis.

Nun ja, das Beste wird wohl sein, wie so oft schon einfach weiter das bigotte Mäntelchen des Schweigens darüber zu stülpen. Man kann ja verstehen, dass die CDU angesichts der katastrophalen Zustände in Deutschland einen Sündenbock braucht: DIE LINKE. Also juut. ZENTRUMS-NACHFOLGEPARTEI CDU, dann macht mal!

Ceterum censeo AGENDAM 2010 esse delendam!!

Bis demnächst

 

 

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26. Juni 2008

 

JUHU! Wirtschaftsminister Glos (CSU), Anhänger der Partei, die sich mit windelweichen Steuererleichterungsversprechen vor der Bundestagswahl bei den abgehängten Bittstellern einschleimen will, hat uns wieder einmal ungemein beruhigt: Die aktuelle Armutsstudie, wonach jeder achte Deutsche und ohne Sozialleistungen sogar jeder vierte Deutsche arm ist, wäre ja nicht so schlimm, schließlich stammen die Daten von 2005, ist also alles die Schuld von Schröder & Co, sagt Glos. Puhh, na, da sind wir aber erleichtert!

Wir erinnern uns: Der wirtschaftliche Aufschwung, der nachweislich nicht beim kleinen Mann angekommen ist – das war doch auch Schröders Werk und wurde doch hochgelobt, bzw. soll der „Aufschwung“ eine der ersten Auswirkungen des suboptimalen Geniestreichs von Doris Schröder-Köpfs Agenda 2010 gewesen sein –, hieß es. Waren Schröder & Co. nun Helden des Aufschwungs oder Sozialverbrecher? Was denn jetzt, Herr Glos? Und was meinen Sie, wie sieht es heute aus? Nach drei Jahren Schwarz-Rot? Besser? Naja, warten wir sie mal ab, die Armutsstudie mit den Daten von 2008. Wird schon alles bestens sein; und wenn eine neue Weltwirtschaftskrise droht, ach Gottchen, dann sind bestimmt alle schuld, nur nicht die Union. Sehr schön! Weiter so, Herr Glos.

Nun ja, wie suboptimal diese Agenda 2010 funktioniert, das erlebt gerade jeder achte Deutsche hautnah. Gut, dass wir wenigstens wissen, dass die CDU mit dieser Misere rein gar nichts zu tun hat. Hach, was waren das für Zeiten, als es unter den 16 Jahren Kohl überall nur blühende Landschaften gab und sich alle lieb gehabt haben. Mann, war das kuschelig in den 80ern! Die ollen Wessis hatten schon so die Nase voll von dieser blühenden Pracht, dass sie Kohl 1991 am liebsten abgewählt hätten, denn, das wusste ja schon Thanhäuser: Solche Wonnen sind auf Dauer nur für einen Gott gemacht! Naja, nur die Ossis eben, die mochten den Dicken. Und dieser Lafontaine mit seiner ständigen Nörgelei, die Wiedervereingung würde eine Menge Geld kosten, kam damals eher nicht so gut an, Anfang der 90er. Natürlich fanden besonders die DDR-Bürger Kohl und seine DM irgendwie cooler. Tja, und jetzt schimpfen viele: Die Wessis haben uns gekauft! Irrtum: IHR habt euch leider, leider verkauft, also nörgelt jetzt nicht. Damals, als ihr Kohl gewählt habt, da fanden die Unions-Granden euch ja auch noch ganz toll, aber heute? „Ich akzeptiere nicht“, sagte Stoiber, „dass erneut der Osten bestimmt, wer in Deutschland Kanzler wird. Es darf nicht sein, dass die Frustrierten über das Schicksal Deutschlands bestimmen.“ Nun ja, den netten Blumen-Hinrichter und seine Muschi haben wir dann ja – Gott sei Dank – gemeinsam nicht haben wollen. Anscheinend werden wir alle allmählich lernfähiger.

Lobenswert jedenfalls, dass das Kabinett heute endlich auf die Armutsstudie reagiert: Gerade heute nämlich (25.06.08), beschließt das Kabinett einen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit. Bravo! Das wurde aber auch höchste Zeit! Schließlich werden ja gerade die Hartz IV- Empfänger immer fetter, wie uns im November 2007 Oswald Mezger, seinerzeit ein GRÜNER, intellektuell und empirisch bestens belegt, erläutert hatte.
„Sozialhilfeempfänger“, so Metzger, „werden keineswegs schöpferisch aktiv. Viele sehen ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen. Die wachsen dann verdickt und verdummt auf.“
Aha! Naja, von den 260 Euro, die mir von meinem Hartz IV im Monat bleiben, kauf ich tatsächlich stets nur Schnaps und Schokolade, da hat er recht. Meinen Tabakkonsum decke ich mit den Kippen ab, die ich auf der Straße finde. Und wenn ich nicht zur Tafel gehe, dann klaue ich natürlich auch wie ein Rabe! Ich bin überhaupt ein gutes Beispiel für Metzgers These: Fett, faul, dumm und gefräßig bin ich, und schöpferisch aktiv bin ich natürlich nicht. Bin ja Hartz IV-Empfänger, die sind eben ein bisschen behämmert, sorry, ich kann echt nix dafür. Vielleicht sollte ich einen Vorschlag des großen Kurt Beck aufgreifen und einfach mal wieder zum Frieseur gehen ... womöglich wird dann alles gut?

Jedenfalls wurde es höchste Zeit für einen Aktionsplan gegen Fettleibigkeit. Genau das brauchen wir jetzt, zur Einstimmung quasi, denn bald gibts eh nichts mehr zu essen, oder ist nicht mehr erschwinglich. Als Vorsitzender des Kommitees gegen Fettleibigkeit soll – Gerüchten zufolge – Ex-Außenminister Joschka Fischer ran. Der weiß nämlich, wie man rank und schlank bleibt. Ach ja, das waren ja überhaupt auch noch lustige Zeiten, als Fischer beliebtester Politiker war. Jeder Kellner, der dieses sympathische Kerlchen in irgendeinem Nobel-Etablissement bedienen durfte, man kann ja auch nicht erwarten, dass sich unsere Volksvertreter bei Tagungen mit Hotels zufrieden geben, die weniger als Fünf Sterne haben, war bass erstaunt, wie freundlich der Typ doch ist. Kein böses Wort kam über seine Lippen. Eigentlich überhaupt kein Wort, wenn ich mich recht erinnere – denn mit Bediensteten zu kommunizieren, dafür war sich der nette Joschka von Nebenan, der Taxifahrer, der „Mann von uns“, immer irgendwie zu schade, schien es. Aber nette Grimassen konnte er ziehen, wenn irgendetwas mit seinen Extra-Diät-Würsten nicht hinhaute. Ja, ja, unser Joschka – ein Kerl, mit dem man Pferde stehlen kann! Jeder Kellner hat ihn förmlich geliebt!

Dass Schröder in seiner unendlichen Weitsichtigkeit seinerzeit aber auch schon längst gegen Fettleibigkeit vorgegangen ist, wird von der CDU natürlich wieder nicht anerkannt. Sein Programm gegen Fettleibigkeit hieß eben Hartz IV, und gäbe es nicht die gemeinnützige „Tafel“, auf die inzwischen großmütig auch die Agentur für Arbeit verweist, so, als wäre es eine staatliche Stelle, dann würde man diese Auswirkung der Agenda 2010 längst sehen können. Mein Vorschlag: Schafft die TAFEL ab, denn Arbeitlose fressen eh zu viel!

Schön zu sehen, dass auch Ernst Welteke (SPD) seinen Gürtel enger schnallen will. Seit er nicht mehr Chef der Deutschen Bundesbank ist, und auf Kosten der Steuerzahler keine rauschende Feste im bescheidenen Berliner Nobelhotel Adlon mehr feiern will  –wie nett von ihm –  ist er so richtig bescheiden geworden. Nur seine Pensionsansprüche, von etwa 8500 Euro im Monat, waren dann doch etwas mickrig für so einen vorbildlichen, arbeitsamen und volksnahen Politiker. Deshalb bekam er jetzt auch von richterlicher Seite das Doppelte seiner Bezüge bewilligt. Gut so! Soll ja schließlich nicht als verarmter Rentner auf dem Sofa landen und Kohlenhydrate in sich rein stopfen müssen, nach allem, was der Mann für uns getan hat!

Und sonst so? Ach ja, die Bundesregierung will die Obergrenze für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr um 1000 Mann erhöhen. Na endlich! Wird ja auch Zeit, dass wir den ollen Turbanträgern am Hindukusch mal zeigen, was ne Harke ist. Dafür haben wir uns ja schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg wiederbewaffnet. Mit uns nicht, ihr alten Kiffer! Ihr werdet schon sehen: Unsere Bundeswehr ist für jeden Scheiß zu haben!

Die zuhause gebliebenen Soldaten auf der Reservebank wärmen sich derweil schon auf für den Iran. Da liegt ja – Gott sei Dank –, und ich meine natürlich nicht Allah – auch noch die militärische Option auf dem Tisch des „wiedergeborenen Jesusfreaks“ George „das Bretzel“ Bush. Und der weiß genau, dass Europa zwar alt ist, aber immer gerne bereit, die von den Amis zerbombte Umwelt auf seine Kosten wieder aufzubauen. Dem Kabinett passt das gut in den Kram, frei nach dem Motto: Baut auf, baut auf! Ist gut gegen Fettleibigkeit!
Also, liebe Leser, die fetten Jahre sind vorbei. Reisst euch gefälligst mal ein bisschen zusammen und bessert euch! Ihr alten Fettsäcke!

Bis bald

 

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