Schwarz-Rot-Gelb? BLAU!

Die aktuelle Kolumne von Ben Herbst

 

06. Januar 2009

 

"Januar muss vor Kälte knacken, wenn die Ernte soll gut sacken"

Dies zumindest besagt eine alte Bauernregel für den Januar, der auch als "Tür des Jahres" bekannt und nach dem doppelgesichtigen, altrömischen Gott Janus benannt ist, der bekanntlich den häuslichen Aus- und Eingang hütete und beschützte.

Sein altes Gesicht schaut zurück in die Vergangenheit, sein junges Antlitz wirft bereits einen Blick auf Zukünftiges. Doch keine Sorge! Für diejenigen, die der Erschließung von Bauernregeln aus irgendeinem Grund nicht eben mächig sein sollten, wird die Bedeutung des oben genannten, weisen burschikosen Ausspruchs als verspätetes Nikolausgeschenk, quasi, oder als Tribut an den Soulman der „Heiligen drei Könige“, nicht zuletzt jedoch als (un-)heilige Erinnerung daran, dass der Geburtstag von Jesus-Baby vor langer Zeit mal am 06. Januar gefeiert wurde (bis die Kirche der Ansicht war, das könnte von sol invictus eventuell falsch verstanden werden und Jesus Geburtstag deshalb brav auf den 24.12. vorverlegte), für „überzeugte Ahnungslose“ also, wird eine Erklärung dieser feinen Bauernregel hiermit von Ben U. Herbst feierlich und exlasziv auf seiner Homepage feilgeboten, sie lautet:

"Schnee und Eis im Januar künden ein gesegnet Jahr an."

Halleluja – Alles wird gut! Abgesehen davon, dass der Autor schon von berufswegen, quasi (und anders gesagt natürlich auch), der Ernte mehr als wohl gewogen gegenübersteht, sieht er die Prognose dieser Bauernregel - auch auf das Große und Ganze bezogen - jetzt schon in den aktuellen Nachrichten bestätigt. Überall. Richten Sie sich also danach! Um hier jetzt aber nicht mit positiven Beispielen solcher Nach-richten die ganze Homepage zu sprengen, das könnte nämlich nicht zuletzt dem wohlwollenden und geneigten Serverdienst von www.ben-herbst.de arg missfallen, und das muss ja nicht sein, sei an dieser Stelle nur eine großartige Nachricht genannt, die der Autor just im Internet, wo sonst, erhaschen durfte, und die seine These „Halleluja – Alles wird gut!“ aufs beste verifizieren dürfte.

"Ohne richterliche Genehmigung [wie dies das britische Innenministerium offenbar will] “, heisst es in der Rubik „Netzwelt“ bei SPIEGEL-ONLINE, vom 06.01.09, „soll die britische Polizei zukünftig Online-Durchsuchungen im Inland und in EU-Staaten durchführen. Die Entscheidung folgt der Ministerkonferenz der Europäischen Union, die Pläne hegt, den Polizeikräften der EU-Staaten grünes Licht für eine Ausdehnung ihrer Ermittlungsarbeiten zu geben.

Im [„]Vereinigten Königreich[„] soll das dann so aussehen: Ein Beamter kann eine Online-Durchsuchung anordnen, sobald er glaubt, dass sie "angemessen" und "notwendig" ist, um ein schweres Verbrechen aufzudecken oder zu verhindern. Ein Verbrechen gilt dabei als schwer, wenn das Gesetzbuch dafür mehr als drei Jahre Haft vorsieht.“

BUH findet das klasse! Kann dieses feine, recht staatliche Ansinnen doch schließlich jede Menge Geld und auch Verwaltungsarbeit einsparen (in Deutschland). Gut also, für hiesige Ermittler mit guten Beziehungen nach GB! Der ehrliche deutsche Beamte muss sein rechtsstaatliches Gewissen hier also nicht länger mit illegalen Abhöraktionen belasten, dem Herren sei Dank, er könnte bald schon bewachen lassen, auf Zuruf, und in englisch, die Euro-Zone macht's möglich! Wie schön. Da fühlt man sich doch gleich an die guten alten Zeiten der Inquisition zurückerinnert, wo man eine lästige alte Nachbarin, die sich partout nicht ins Altersheim abschieben lassen wollte, einfach auf „angemessenen“ und „notwendigen“ Verdacht“ hin der Hexerei bezichtigen konnte, und schwups – löste sich dieses Problem - den Folterknechten des finsteren Mittelalters sei Dank - zuverlässig in Wohlgefallen beziehungsweise in Rauch auf.

BUH denkt sich das als Neuauflage dieser guten alten Sitten beispielsweise so:

Nachbar X, ein irgendwie unsympathischer Zeitgenosse, der die unangenehme Angewohnheit hat, laut im Treppenhaus zu pfeifen und seine Werbebroschüren aus seinem Briefkasten stets auf oder in die Briefkästen der übrigen Hausbewohner pfeffert, der könnte doch eigentlich auch weg, denkt Nachbar Y. Schließlich sucht zufällig ein alter Freund von Y, Z, der - ebenfalls zufällig - ein Polizeibeamter von Beruf ist, gerade eine Wohnung. Und die Frau von Z, Rosi, kocht doch auch immer diese zauberhafte Mousse au chocolat und hat außerdem ein sehr viel erotischeres Popochen als X, findet jedenfalls Y.

Flugs wird also Z von Y richtig eingenordet, Z wollte doch schon immer eine Wohnung haben wie Y, oder nicht? Und dieser penetrante X wohnt ja auch quasi in genau derselben Wohnung wie Y, bloß eben spiegelverkehrt geschnitten, doch das wäre doch eigentlich ebenso gut. Bei einem kühlen Blonden überlegen sich Y und Z also, was sie X wohl alles zutrauen. „Steuerhinterziehung!“, schlägt Y vor. „Langweilig“, findet Z. „Davon gibt’s schon so viele gerade, außerdem werden die vom Staat subventioniert, oder willste, dass X nachher in einer Villa wohnt?“ „Auch wieder wahr“, räumt Y ein, „wie wärs denn dann vielleicht mit einer kleinen Trunkenheitsfahrt mit Fahrerflucht?“ „Grundsätzlich gut“, meint Z, doch etwas subtiler wäre vielleicht auch nicht schlecht, schließlich spuckt man bei der Deutschen Polizei ja auch nicht ins Glas ... Endlich einigen sich beide einvernehmlich auf „Kinderschändung“, das wäre sicher „angemessen“ und vielleicht sogar mal „notwendig“, und schon wird Kumpel „W“ (sprich Dabbel-Juh) in Liverpool angerufen, der kann saufen wie ein Loch, ist wie Z ein ausgemachter Beatles-Fan, und hätten sich die beiden nicht mal zufällig im neuen Cavern-Club beinahe aufs Maul gehauen, so wären sie sich sicher mal in irgendeinem Forum für europäische Polizisten mit Beatles-Fetisch im Internet begegnet. W ist nämlich zufällig auch Polizist und Polizisten müsen ja im allgemeinen zusammenhalten und so, besonders jedoch solche mit einem ausgemachten Beatles-Fetisch.

Am Ende kriegt Z also die Wohnung, W wird von der Queen zum Ritter geschlagen, X. konnte nämlich keine Kinderschändung zur Last gelegt werden, wohl aber gab es gewisse Verdachtsmomente für eine Mitgliedschaft bei Al Quaida, worauf X von einem netten, amerikanischen Reiseunternehmen einen unbegrenzten Urlaub auf Kuba gesponsert bekommt, und alle sind glücklich!

Ben U. Herbst freut das natürlich auch. Ersterdings, weil er mag, wenn alle glücklich sind, zweitens, weil es scheinbar immer noch viel zu wenig Überwachung gibt, in diesem, unserem Lande! Er findet: Gut! Wenn schon Überwachung, dann aber richtig! Und da wir ja in einer Demokratie leben, in einer Rebublik, was ja „Sache des Volkes“ bedeutet, muss dann ja - Jesus-Baby oder eben auch auch sol invictus sei Dank, in dreiteufelsnamen – gleiches Recht für alle gelten!

In jedem Haushalt, in jeder Behörde, in jedem Geschäft und natürlich auch beim britischen Innenminister auf dem Klo, einfach überall gehören endlich Kameras und Mikrophone hin! Dann könnte a) jeder jeden beobachten, b) es gäbe keinen Krieg mehr, weil ja alle den ganzen Tag vor dem Internet säßen, um sich über mögliche Gefahren im Bilde zu halten und c) würde dieses müßiggängerische Leben auch wirtschaftlich wunderbar hinhauen, denn die Werbeindustrie, die dieser globalen Big-Brother-Show natürlich mit regelmäßigen Einspielungen die rechte Würze geben würde, könnte dann fein alles zum Leben notwendige bezahlen, das vollautomatische Haus, das seinen Bewohnern den Hintern hinterherträgt inclusive.

Ach ja, das wird schön!

In diesem oder in welchem Sinne auch immer

ein gesegnetes neues Jahr!

 

Ben U. Herbst

 

 

Sitz doch nicht wie dem Cervantes sein Don Quijote vergnatzt in ner Pfütze!
Ist's nicht was exorbitantes, mein Schatz: ne geschmeidige Apokalypse? 

 

 

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